SEESOULS@Corona: Geschichten aus unserer Mitte

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Corona – eine Herausforderung für alle. Viele Menschen in Deutschland kommen an ihre Grenzen. Doch wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. Durch Fotos an Fenstern und Gartenzäunen dokumentiere ich die neuen Räume, in denen sich die Gesellschaft bewegt und halte die Zeit fest, in der sie durch neue Blickwinkel vielleicht neue Möglichkeiten für ihre Zukunft entdeckt. Denn was bleibt, wenn alles anders ist?

„Gerade in dieser für uns alle neuartigen Pandemie-Zeit, sehe ich neben Problemen auch eine Vielzahl an Möglichkeiten. Sei es das intensive Zusammensein von Familien, das Wegfallen von sozialem Druck, Organisationsstrukturen beim Arbeiten, besondere Momente durch das Zusammenrücken auf unterschiedlichsten Ebenen. Begegnungen von Menschen sind rar geworden und erst wenn diese wegfallen, lernen wir diese zu schätzen. So will ich in den Herausforderungen des Shut-Downs den Menschen ihr tagtägliches Leben positiv dokumentieren. Dazu schenke ich analog zu der Idee meiner genialen Fotografenkollegin aus Freising, Andrea Mühleck, den Fotografierten Geschichten von ihren „guten“ Dingen der Corona Zeit, an die sie sich gerne erinnern können und wollen.

Anstatt Bezahlung sammel ich für Menschen, die nicht das Glück eines sicheren Zuhauses haben, z.B.  für das örtliche Frauenhaus oder Zeltschule e.V..

BE A PART OF US!

 

Da ich nur in in meiner Umgebung  fotografieren darf, rufe ich Fotograf*innen und Menschen in ganz Deutschland auf, mitzumachen. Jeder in seinem Umfeld. Ob Fotograf*in, Angestellter, Selbstständiger oder Schüler. Ladet Fotografenkollegen und Freunde ein, mitzumachen. Seid dabei!

Ich suche einen Fotografen, der mich in meinem Heimatort fotografiert. Click hier. 

Ich bin Fotograf*in und  möchte Menschen und Geschichten in meiner Umgebung fotografieren. Click hier.

Hans Schmölz  |   Gastronom und Großveranstalter www.mahavi-group.de |   Das habe ich gelernt: Wenn alles stillsteht: die Leidenschaft bleibt.

Eure Herausforderung in der Krise: Die Schließung unserer 7 Gastronomie-Betriebe. Die Stornierung vieler großer und kleiner Events. Viele Mitarbeiter in die Ungewissheit entlassen. Das Abbremsen von 100 auf 0.

Was nehmt ihr mit in die Zeit danach? Nichts ist sicher. Aber die Freude an der Gastronomie bleibt.

Familie Lohde |   Landschaftsarchitekten und Veranstalter www.lohde-landschaft.de|   Das habe ich gelernt: Die Natur weist uns neue Wege

Eure Herausforderung in der Krise: Wir müssen trotz enormer Umsatzeinbrüche das Unternehmen und das Auskommen der Mitarbeiter sichern. Große Sorgen bereiten uns darüber hinaus die gesundheitlichen Gefahren der Pandemie für die Familie, Freunde und Mitarbeiter.

Die Chance der Krise für euch?  Neben einem bewussteren Leben wünschen wir uns vor allem einen positiven Effekt bei der Energiewende durch diese Entschleunigung und die gesteigerte Sesshaftigkeit. In unserem Fall ist es der wunderschöne Garten, den als großs Geschenk sehen und noch intensiver zu nutzen lernen. Wir haben die Gemüsebeete vergrößert und genießen mit wachsender Begeisterung den Vorteil von  Nutzpflanzen.

Was nehmt ihr mit in die Zeit danach? Eine wichtige Erkenntnis der Krise ist, dass trotz der großen Errungenschaften unsere Zivilisation, die Menschheit nicht gegen die Natur arbeiten kann oder über der Natur steht. Wir sind angreifbar und müssen Wege finden, besser mit der Natur zusammen zu leben. Das Leben ist weniger vorhersehbar geworden.

Flo und Marion Wolf  |   Bauingenieur und Projektkoordinatorin für die Diakonie FFB  |   Das habe ich gelernt: Entschleunigung. Der Wert eines freien Lebens.

Eure Herausforderung in der Krise: im Privaten der Verzicht auf  soziale Kontakte. Und die viele zusätzliche nicht verplante Zeit. Im Job gab es für uns bislang wenig spürbare Einschnitte.

Habt ihr was Schönes gelernt? Die  entstandene Entschleunigung. Auch wenn das Wort Entschleunigung nicht immer mit dem turbulenten Familienleben mit einem energiegeladenen 2-jährigen zusammenpasst…Außerdem die gesellschaftliche Solidarität und Rücksichtnahme in meinem unmittelbaren Umfeld! Und vor allem:  den Wert, den das Leben in einem freien Land mit sich bringt.

Was nehmt ihr mit in die Zeit danach? Die „unverplante Zeit“ auch in Zukunft als wertvolles Gut zu sehen und nicht seine gesamte Zeit zu verplanen. Ebenso sehn wir die Chance für die Gesellschaft, uns in Zukunft offener zu begegnen, sowie soziale Kontakte nicht als selbstverständlich anzusehen. Und Klopapier! Jede Menge davon…

Moni Schlund |   Apothekerin |   Das habe ich gelernt: Wertsteigerung der Berufe im Gesundheitswesen

Eure Herausforderung in der Krise: Im Job führte das Arbeiten mit Mundschutz, Handschuhen und geschlossenen Kittel hinter einer Plexiglasscheibe zu einem sehr ernsten und angespannten Arbeitsklima! Hinzu kam, dass wir regelrecht in Arbeit erstickt sind und Überstunden machten, während andere Menschen plötzlich Zeit zu Hause hatten zum Ausmisten und Saubermachen.

Außerdem war Homeschooling extrem kräftezehrend und zeitaufwändig. Die Unsicherheit und Unzufriedenheit der Kinder nicht mit seinen eigenen Sorgen zu mischen und aufzufangen war mehr als herausfordernd. Ganz zu schweigen von den traurigen Kinderaugen beim 10. Geburtstag ohne Freunde.

Was habt ihr als Chance erkannt:  Dass diese neuartige Situation die Familie zusammenwachsen lässt.  Beruflich hat mich die Wertsteigerung der Pflegeberufe besonders gefreut. Hoffentlich wird sich da zukünftig etwas ändern.  Und auch die Hilfe und Solidarität von vielen Menschen ist wirklich großartig.

Jonas  |   Abiturient.  |   Das habe ich gelernt: Nicht aufschieben & Sweet Home

Meine Herausforderung: Dauerhaft geduldig und belastbar zu sein. So viel Kontakt wie aktuell habe ich schon lang nicht mehr zu meiner Familie gehabt und dazu kommt, dass ich unter einem enormen Druck stehe, weil mein Abi ansteht.

Die Chance: Die „Freizeit“ daheim auch sinnvoll zu nutzen, neben lernen, mein Zimmer umzustellen und Abitur Zusammenfassungen anzufertigen. Und dass Alltag doch gar nicht so schlecht ist, wie ich immer dachte.

Das nehme ich mit: Dinge dann anzupacken, wenn sie nötig sind und nicht aufzuschieben. Ohne Corona hätte ich Zimmer und Abivorbereitung sicher noch weiter vor mir her geschoben…

Andrea Schuchhardt  |   Besitzerin eines Nähladens www.anundan.de |   Das habe ich gelernt: Anpacken und mutig sein

Meine Herausforderung: Als der Laden schließen musste, gab es für mich zwei Optionen: entweder abwarten oder angreifen.

Die Chance: Ich habe mich fürs Angreifen entschieden und kurzerhand einen Onlineshop aus dem Boden gestampft. Die Überlegung war immer schon da, aber irgendwie war ja auch der Laden da und somit alles gut. Durch die wohltätige Aktion „Mundbedeckungen“ für den sozialen Bereich kam alles in Fahrt: Stoffe wurden gespendet, zugeschnitten, Frauen nähten und letztendlich wurde alles an Krankenhäuser, Pflegeheime, Ärzte; Feuerwehr etc. verteilt.

Das nehme ich mit: Nicht mehr alles 1000prozentig machen zu wollen. Es geht auch anders wenn „Frau“ möchte. Und ich habe gelernt, auch mal Hilfe anzunehmen. Das werde ich auch weiterhin machen.

Christoph Englisch  |   Lehrer  |   Das habe ich gelernt: Umsetzung von digitalem Lehren

Meine Herausforderung: Als Lehrer meine Schüler zu erreichen, bzw. heraus zu finden, ob ich das tue.

Die Chance: Digitale Lernangebote in meinem Job als Lehrer einzusetzen, was man vorher immer auf die lange Bank geschoben hat.

Das nehme ich mit: Wo es sinnvoll ist, werde ich zukünftig digitale Angebote im Job mehr einbauen. Und: Entschleunigung ist oft viel besser, als volle Terminkalender.

Dini und Vicki Fischer  |   Gastronomen  |   Das habe ich gelernt: Geduld

Meine Herausforderung: Sich in Geduld zu üben in einer von außen bestimmten Situation, diese anzunehmen und Tatendrang überlegt einzusetzen.

Die Chance: Die Aufmerksamkeit und Wertschätzung der Gastronomie! Wie schön und wichtig doch die einfachen Dinge des alltäglichen Lebens sind, wie ein Besuch im Biergarten oder eines Restaurants, und wie traurig die Welt ohne soziale Kontakte wäre. Die Gesellschaft sollte ihre Aufmerksamkeit wieder mehr den Menschen vor Ort und einer regionalen Wirtschaft schenken mit Anerkennung und Respekt..

Das nehme ich mit: Mehr Ruhe für den Genuss am Leben mit den Menschen, die einem wichtig sind.

Michael Dirscherl  |   System Engeneer  |   Das habe ich gelernt: Wir sind nicht unverwundbar

Meine Herausforderung: Der Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling ohne echtes Arbeitszimmer.  Zudem die gleichzeitige Sorge um unsere Eltern sowie die daraus resultierende Verpflichtung, alle Besorgungen und Einkäufe für sie zu übernehmen

Die Chance: Mehr Zeit zu Hause und mit den Kindern verbringen zu können, sowie trotz aller Reibereien ein näheres Zusammenrücken der Familie festzustellen.

Das nehme ich mit: Die Menschheit ist nicht so unverwundbar, wie sie lange Zeit meinte. Durch die jetzige Situation lernt man erst zu schätzen, was man an seinem „normalen“ Leben eigentlich hat: Freunde, Umarmungen, Sportveranstaltungen, Konzerte, Biergartenbesuche.

Susanne Layer  |   Selbstständig  |   Das habe ich gelernt: Anzunehmen was ist

Meine Herausforderung: Anzunehmen was ist.

Die Chance: Dass wir uns auch sehr gut ohne Einfluss von Außen alleine beschäftigen können.

Das nehme ich mit: Wieder mehr Zeit haben und an seinen Traum zu glauben.

Created by anne | April 19, 2020 | Seesouls